NKF-Workshop mit dem Gemeinderat Neubiberg am 22. November 2007
Manfred Sichler und Thomas Schinabeck führten die Anwesenden in die Thematik ein, indem sie die Entwicklung zu einem neuen öffentlichen Finanzwesen aufzeigten, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die wesentlichen Unterschiede der kaufmännischen Buchführung (Doppik) zum bisher praktizierten Rechnungsstil der Kameralistik erklärten.
"Werteverzehr" nicht darstellbar
Die Vorteile des NKF aufzuzeigen war dann der Part von Prof. Dr. Hirsch, der eingangs gleich mit interessanten Fragen aufwartete: Was kostet uns eigentlich der Betrieb unserer Schulen oder des Friedhofs? Arbeitet der Bauhof wirtschaftlich? Sind die Kunden mit den Leistungen des Standesamtes zufrieden? Haben wir ausreichend für die Renovierung unseres Gebäudebestands vorgesorgt? Anhand dieser Fragen wurde sehr schnell deutlich, dass Antworten darauf mit den Ergebnissen und Mitteln der Kameralistik nur teilweise und damit unbefriedigend möglich sind. Denn das kommunale Haushalts- und Rechnungswesen wird bislang ausschließlich zahlungsorientiert abgebildet, so dass z. B. ein "Werteverzehr", wie er bei Unternehmen in Form von Abschreibungen erfolgt, noch nicht dargestellt wird.
Durch das NKF sollen Aussagen über Effektivität und Wirtschaftlichkeit besser möglich und insbesondere die Politik mit steuerungsrelevanten Daten nach kaufmännischen Gesichtspunkten versorgt werden. Dies schilderte Prof. Dr. Hirsch anschaulich und in einem offenen Dialog mit den interessierten Zuhörern. Er wies außerdem darauf hin, dass insbesondere durch die systematische Erfassung des Vermögens und der Schulden in einer Bilanz eine verbesserte Abbildung der Interessen nachfolgender Generationen erreicht werden kann. Als zentraler Punkt ist damit die Entwicklung des Eigenkapitals (Vermögen abzüglich Schulden) zu sehen und stellt, sofern eine Erosion verhindert werden kann, einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Nachhaltigkeit öffentlichen Handelns dar.
Paradigmenwechsel
Ganz praxisbezogen schilderte Diplom-Kaufmann Josef Schmid in seinem Beitrag die Umsetzung des NKF in Kommunen. Dabei traf er folgende Kernaussagen: Es handelt sich um ein großes, strategisches Reorganisationsprojekt mit zusätzlichem Paradigmenwechsel, das einen Durchführungszeitraum von zweieinhalb bis drei Jahren beanspruchen wird. Ein solches Projekt bindet zudem in hohem Maß Ressourcen, Zeit und Geld und ist nur als Komplettlösung zielführend. Zentrale Herausforderungen sind dabei mehr organisatorische und betriebswirtschaftliche Aspekte, weniger die Rechnungslegung oder die Softwarelösung. Als wesentlichen erfolgskritischen Punkt sieht Dipl.-Kaufmann Josef Schmid dabei auch die mit der Umsetzung betrauten Führungskräfte an, die als "traditionelle Kameralisten" voll und ganz von der Doppik überzeugt sein müssen und stellte den Grundsatz auf: externe Beratung ja, aber nur soviel wie nötig.
Die Politik ist gefragt
Die lebhafte Diskussion aller Teilnehmer zeigte schnell, dass es den Referenten gelang, die Zuhörer für das Thema zu interessieren, die Komplexität darzustellen und neue Wege aufzuzeigen. In welcher Zukunft, der näheren oder der ferneren, diese neuen Wege gegangen werden, ist nun auch Sache der Politik. Für den neuen Gemeinderat, der im Mai 2008 sein Amt aufnehmen wird, könnte diese Zielsetzung zu einer der ersten Aufgaben werden.
Thomas Schinabeck
Geschäftsleiter
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